Die städtebauliche Transformation der historischen Textilfabrik Retsina im Quartier Lefka in Piräus nimmt konkrete Formen an. Nach einer Vereinbarung zwischen der Stadtverwaltung von Piräus und der National Bank of Greece tritt das Großprojekt in eine neue Planungsphase ein. Das Areal soll nicht als rein privates Bauprojekt erschlossen werden, sondern als gemischtes Stadtquartier mit wirtschaftlichen, gemeinnützigen und öffentlichen Nutzungen.
Das Plangebiet erstreckt sich über rund 29 Stremmata (ca. 29.000 Quadratmeter) an den Straßen Retsina, Ymittou und Agiou Filippou. Den Hauptteil des Baublocks hält die National Bank of Greece, deren Eigentum nach Korrektur der Grundbucheinträge auf etwa 26,85 Stremmata (26.850 Quadratmeter) beziffert wird. Ein weiterer Teilbereich von etwa 2,31 Stremmata (2.310 Quadratmeter) befindet sich im Besitz der griechischen Eisenbahngesellschaft OSE. Zu den genauen Investitionskosten oder einem etwaigen Kaufpreis machten die Beteiligten keine Angaben.
Vom Memorandum zum Spezialbebauungsplan
Den Auftakt für die verbindliche Bauleitplanung bildete ein im September 2025 unterzeichnetes Memorandum of Understanding zwischen der Stadt Piräus und der National Bank of Greece zur Erarbeitung eines Spezialbebauungsplans (EPS). Im Dezember 2025 folgte ein wichtiger Verfahrensschritt, als die kommunalen Gremien den technischen Bericht zur Vorentwurfsgenehmigung des Bebauungsplans billigten. Das Gesamtareal wird in verschiedene Zonen unterteilt, um moderne städtische Nutzungen mit Grünflächen und dem Erhalt des industriellen Erbes zu verbinden.
Gemischte Nutzung und Abgaben an die Öffentlichkeit
Das Konzept sieht ein ausgewogenes Verhältnismäßigkeitsmodell vor. Geplant sind Flächen für Wohnen, Büroimmobilien, Einzelhandel und Gastronomie, ergänzt durch kulturelle, schulische und gemeinnützige Einrichtungen. Um das Quartier in das Umfeld einzubinden, wurden umfangreiche Abtretungen vereinbart, berichtet bizness.gr.
Die National Bank of Greece überträgt der Stadt Piräus ein Areal von 2.762,53 Quadratmetern samt bestehenden denkmalgeschützten Gebäuden unentgeltlich für gemeinnützige Zwecke. Zudem erhält die Kommune eine Nutzungskonzession über 30 Jahre für ein Gebäude und Freiflächen im Umfang von rund 3.235,77 Quadratmetern. Ergänzend werden Fußgängerzonen mit einer Gesamtfläche von 1.039,08 Quadratmetern geschaffen.
Denkmalschutz sichert industrielles Erbe
Ein wesentlicher Teil des historischen Fabrikkomplexes bleibt erhalten. Auf Beschluss des griechischen Kulturministeriums wurden 15 Gebäude, das Haupttor und ein Fabrikschornstein mit einer Gesamtnutzfläche von rund 4.345 Quadratmetern wegen ihrer architektonischen und sporthistorischen Bedeutung als geschützte Baudenkmäler eingestuft. Nicht geschützte Gebäudeteile dürfen abgerissen werden. Das Vorhaben muss vor dem Baubeginn noch finale behördliche Genehmigungsstufen durchlaufen.




